Mein 2. Erfahrungsbericht mit dem Pappradio
Nachdem ich meinem AFu-PC eine bessere Soundkarte mit 192kHz Samplingrate verpasst habe, macht der Betrieb mit dem Pappradio richtig Spaß! Heute habe ich während des HA-DX Kontests ein paar weitere Tests mit dem Pappradio gemacht.
Der PC und die Soundkarte
Der PC hat einen älteren Intel 2GHz Prozessor. Das Betriebssystem ist WindowsXP prof. mit SP3 und aktuellsten Updates.
Installiert ist das mitgelieferte Winrad von der mitgelieferten CD und mit den aktuellen DLL’s des Pappradio’s von der Webseite des Herstellers (Stand 15.1.2011).
Die Soundkarte ist eine ASUS Xonar D1 PCI mit 192khz Samplingrate.
Eines kann ich schon vorweg sagen: alles fällt und steht mit der Auswahl der Soundkarte. Zur Auswahl der richtigen Soundkarte gibt es eine Menge Tipps auf der Webseite des Herstellers: www.pappradio.de
Man kann zwar auch mit den vorhanden Soundkarten versuchen, sei es auf dem Mainboard integriert oder als interne Steckkarte, aber die Ergebnisse sind nicht so zu erwarten, als wie mit einer entsprechend höheren Samplingrate ausgelegten Soundkarte.
Die Antenne
Angeschlossen ist das Pappradio an meiner 82m Delta Loop, die unsymmetrisch an einem 1:2 Balun mit ca. 45m RG-213 gespeist wird.
Da bei dieser Antenne auf 80 und 40m große Feldstärken auftreten, kommt die 30dB Dämpfung fast immer zum Tragen, ansonsten ist das Signal zu stark für den Eingang des Pappradio.
Der Betrieb
Es macht wirklich Spaß mit 192kHz Bandbreite die Bändern zu beobachten. Da gerade an diesem Wochenende HA DX Kontest ist, sind die Bänder auf 160 und 80m gerade voll belegt mit Stationen, die am Kontest teilnehmen. Das kann man sehr schön in den Screenshots weiter unten auf der Seite erkennen.
Im Mittelwellenbereich muss man die Signale auch voll bedämpfen, denn es ist ein entsprechend für diesen Frequenzbereich ausgelegtes Bandpassfilter nicht auf der Platine des Pappradio vorhanden. Da es aber noch freie Lötflächen für weitere Filter gibt, kann man das nachrüsten.
Mit den neuesten DLL’s ist RX ab 20kHz möglich. Das DCF Signal auf 77,5kHz ist laut zu hören, ebenso das Decca Navigationsspektrum auf 100kHz mit guter Feldstärke. Signale im 136kHz Bereich habe ich noch nicht beobachten können, dazu sind entsprechende Filter, eine angepasste Antenne und ein bisschen mehr Zeit von Nöten.
Die Empfindlichkeit – Vergleich zum “Hardware-Radio
Ich habe das Pappradio tagsüber auf 20m verglichen mit einem ICOM IC-756PRO und einem YAESU FT-857D
SSB:
Die Eingangsempfindlichkeit des Pappradio steht dem IC-756PRO und dem FT-857D um nichts nach. Jedoch empfinde ich das “Gesamt-Audio” des IC-756PRO schöner und runder, aber das ist sicherlich Ansichtssache. Ich habe alle leisen Stationen in SSB auch mit dem Pappradio gehört.
CW:
Auch hier konnte ich auf 20m alle leisen CW Stationen mit allen Geräten einwandfrei hören. Da ich die Bandbreite mit 100Hz bei dem Pappradio und dem IC-756PRO eingestellt hatte, ist ein Unterschied im Klangbild nicht mehr zu unterscheiden. Der FT-857D fällt hier aufgrund fehlender Filter raus, ist aber auch sehr empfindlich und konnte alle Stationen wiedergeben.
DIGITAL-Modes:
Digital Modes konnte ich noch nicht testen, da muss ich mir noch etwas einfallen lassen, um das ausgehende NF-Audio in eine zweite Soundkarte oder einem “virtuellen Audio Kabel” einzuspeisen. Denn alle mir bekannten Programme für Digitalmodes können nichts mit dem ZF I/Q-Signal im Line-IN anfangen… das geht eben so nicht.
DRM:
Zusammen mit der Software “Dream” die auf der CD mitgeliefert wird, ist DRM Empfang auf MW und KW möglich. Es gibt eine Menge Stationen, die tagsüber, abends und nachts mit guter Qualität zu empfangen sind. Es hört sich wirklich toll an, auf MW und KW die Sender, die teilweise auch in Stereo senden, zu empfangen.
RX-Betrieb im Kontest
Da zum Testzeitpunkt HA-DX Kontest war, konnte ich auf 160 und 80m heute Abend mal die Selektivität und Trennschärfe testen. Ich war angenehm überrascht. Die eingebauten Bandpassfilter zusammen mit den zuschaltbaren Dämpfungen brachten brauchbare Ergebnisse. Anhand des 192kHz Spektrums sah man sehr gut, dass die Bänder sehr voll waren.
Mein kleines Fazit
Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Kontest mit einem TRX-SDR Radio funktionieren kann… allerdings nur, wenn man nie QSY macht!
Wenn zwischendurch das Band gezielt nach Stationen absucht werden soll, dann ist ein “echter” TRX mit “echtem” VFO dem SDR-Radio mindestens eine Wellenlänge voraus ![]()
Richtig gute Ergebnisse erhält man erst mit der richtigen Soundkarte, sonst muss man Abstriche machen, denn wer gute Ergebnisse mit dem Pappradio haben möchte, muss sich um eine Soundkarte mit 92 oder 192kHz besorgen.
Das Pappradio ist und bleibt eine tolle Sache für Einsteiger in das SDR-Gebiet. Da Platz für Erweiterungen ist, bleibt es zudem erweiterbar. Ich finde, das ist einzigartig für solch einen Anschaffungspreis.
Ich werde im Frühjahr eine angepasste symmetrische Antenne oder eine passive Loop bauen, um das Pappradio parallel zum IC-756PRO zu betreiben. Man kann dann z.B. auf 15 oder 10m beobachten, wenn das Band aufgeht um dann DX zu machen.
Möglich wäre auch ein zukünftiger Einsatz mit einem 2m Transverter, um SporadicE Bandöffnungen zu erkennen.
Ein Bekannter OM, der EME macht, hat bereits das Pappradio erfolgreich an einem Transverter betrieben und im Spektrum die JT65 Signale vom Mond von vielen Stationen beobachtet.
Nachfolgend einige Screenshots die während der Tests im HA-DX Kontest auf einigen Bändern geschossen wurden.
vy 73 de DJ3LE, Hans-Jürgen
(Ein Klick auf der jeweilige Bild öffnet es in Originalgröße in einem neuen Fenster)


